Eine Meldung und keine Geschichte (Xeplion)

Wie mich eine Meldung aus dem Jahre 2014 nervt, die Todesfälle mit einem Medikament (Xeplion) in Verbindung bringt, das ich nehme. Und dann bleibt keiner dran, um die Frage aufzulösen.

Im August schrieb ich dem Hersteller eines Medikaments, Xeplion, das ich seit Anfang 2014 monatlich gespritzt bekomme. Ich halte das für ein Antipsychotikum für ein ziemlich gutes Medikament. Leider wurde mit Verweis auf rechtliche Gründe nicht richtig auf meine Frage eingegangen, mit der ich mir ausmalte, anderen Betroffenen einen übermäßig besorgten Umgang mit dem Medikament zu erleichtern. Es gab da Meldungen über Todesfälle nach der Einführung des Medikaments in Japan, u.a. bei Spiegel Online, die Patienten des von Janssen Pharmaceuticals vertriebenen Medikaments ein mulmiges Gefühl bereiten konnten. Im Internet ist jedoch keine rechte Auflösung zu finden zu der Frage, schon gar nicht für den deutschsprachigen Raum, bzw. schon gar nicht in dem Format wie die Spiegel Online-Meldung. Ich schrieb der Presseabteilung folgende Fragen:

[…] Gerade stieß ich beim Surfen zum Thema Schizophrenie – nicht zum ersten Mal – auf eine Meldung aus dem Jahr 2014, wonach in Japan 17 Patienten, die Xeplion gespritzt bekamen auch verstarben (oder 21 und zwar innerhalb von drei bis 107 Tagen). Mich interessierte eigentlich spontan die Frage, ob es dazu eine Untersuchung gab, welche ich auch nach etwas Suchen nicht finden konnte. Die meisten Artikel sind nur Meldungen über den Vorfall und spekulativ, was einen möglichen Zusammenhang mit dem Medikament betrifft. Inzwischen würde mich ein Statement oder ein Hinweis auf nähere Informationen von Ihnen zwar interessieren, aber finde ich meine Frage auch etwas merkwürdig. Wenn ich Sie trotzdem stellen darf – also konkret: ob damals ein Zusammenhang festgestellt wurde oder das Medikament falsch injiziert wurde oder von 11.000 Menschen nun einmal zwei Dutzend in 107 Tagen sterben (gerade, wenn meiner Kenntnis nach 80% der Schizophrenie-Betroffenen Raucher sind) oder es einen anderen Grund für die Meldung gab? – würde ich mich freuen.

 

Abgeleitet von der obigen Frage interessiert mich noch eine Zweite. Und zwar, ob Antipsychotika wie Xeplion eigentlich nur im Gehirn eine signifikante Wirkung auf den Körper haben und alle unerwünschten Wirkweisen durch eine veränderte Steuerung der Organe durch das Gehirn auftreten, oder ob die Wirkstoffe auch direkt mit Organen wechselwirken? Die Stoffe müssen natürlich abgebaut werden irgendwo. Aber wie ein Lichtstrahl erst gesehen werden kann, wenn er auf einen Gegenstand trifft, „interessiert“ sich vielleicht sehr weitgehend nur das Gehirn für die Wirkstoffe, denke ich mir. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, wo ich die Information in mein Weltbild einbauen würde, aber neugierig wäre ich auf jeden Fall. Diese Frage könnte mir sonst wohl auch mein Psychiater beantworten.

 

Ich könnte mir gut vorstellen, Ihre Antwort und dann wohl auch meine Frage in einem Blog-Post auf meiner Webseite zu behandeln. […]

Leider muss es in diesem Blog-Post inhaltlich weitgehend bei der Frage bleiben. Die Antwort drehte sich wie gesagt um rechtliche Fragen bei Fragen von Patienten an Medikamentenhersteller:

[…] Wir freuen uns über das Vertrauen, das Sie uns als Hersteller von pharmazeutischen Produkten entgegenbringen.

 

Allerdings kann und darf nur Ihr Arzt Ihre hier gestellten Fragen beantworten.

 

Als Hersteller von Medikamenten ist es uns nicht gestattet, Daten zu Medikamenten an „Nichtfachkreise“ herauszugeben oder medizinisch beratend tätig zu sein. Damit möchte der Gesetzgeber verhindern, dass Patienten sich ohne ärztlichen Rat selbst mit Arzneimitteln behandeln oder eine festgelegte Behandlung eigenständig verändern.

 

Daher bitten wir Sie mit Ihrem Arzt Kontakt aufzunehmen, um Ihre Fragen zu besprechen. Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute. […]

Nun ja, ich bin mit meinem Interesse und meiner Perspektive auf die beiden Fragen, die irgendwie auch nur eine ist, ganz zufrieden und teile das deshalb hier. In Wirklichkeit sind übrigens wohl nur gut die Hälfte der mit Schizophrenie Diagnostizierten Raucher, habe ich später nochmal nachgelesen. Vielleicht mag auch jemand meine Perspektive in den Kommentaren ergänzen.

Sehen Sie auch meinen Artikel in der WeLT am Sonntag.

1 comment

  1. Substanzen, die ihre Hauptwirkung im Gehirn entfalten tun dies z.B. indem sie Dopamin /Serotonin/Noradrenalin oder andere Stoffe ausschütten. Neben diesem Mechanismus (Releaser) gibt es auch noch die Wiederaufnahmehemmung, die dafür sorgt, dass die entsprechenden Stoffe sich länger und intensiver an den Rezeptoren auswirken, dann gibt es noch die Agonisten und Antagonisten der Rezeptoren, diese schütten dann gar nicht die körpereigenen Botenstoffe aus oder hemmen deren Wiederaufnahme, die aktivieren oder blockieren den Rezeptor dann selbst.
    Viele Antidepressiva sind z.B. Serotonin- und Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer (SNRI), deren eigentliche Wirkung gar nicht über den direkten Wirkmechanismus entfaltet werden soll, sondern über die Desensibilisierung der Rezeptoren aufgrund der langen Einwirkung (Wochen).
    Nun zur eigentlichen Frage: Entfalten diese Stoffe ihre Wirkung und auch ihre Nebenwirkung vor allem im Gehirn und dieses steuert dann die Organe anders, was zu Nebenwirkungen führt. Nein dem ist nicht so. Es gibt die Rezeptoren des Gehirns auch sonst im Körper. Betrachten Sie z.B. die typischen Halluzinogene wie LSD, die zumindest früher kennengelernt haben. Diese agieren als Agonisten am 5-HT2A Rezeptor und Dopamin D2 Rezeptor, Neben der Wirkung im Gehirn wird auch die Darmtätigkeit beeinflusst und zwar weil man eben am Darm auch Serotoninrezeptoren hat. Insgesamt ist das natürlich schwierig, denn es könnte ja sein, dass durch die Erwartungshaltung gegenüber der erwarteten Drogenwirkung die beschleunigte Darmtätigkeit hervorgerufen wird. Dem kann man aber entgegnen, dass es ähnlich wirkende Stoffe gibt, die nur schwer die Blut-Hirn-Schranke passieren können, aber trotzdem ihre Wirkung im Darm entfalten. Darüber hinaus wäre auch der zeitliche Versatz ein Punkt, so dauert das Einsetzen der Wirkung auf die Psyche wesentlich länger als auf den Darm. Warum ist LSD so ein gutes Beispiel? Es wirkt auf dieselben Rezeptoren wie Paliperidon, zumindest laut Wikipedia. Der große Unterschied ist, dass LSD als Agonist wirkt und Paliperidon (Xeplion) als Antagonist, im pharmakodynamischen Sinne also umgekehrt. Auch hier muss man vorsichtig sein, denn dass Zusammenspiel des Nervensystems ist komplex und viele Regelmechanismen greifen ineinander. Auch bindet LSD spezifischer an den 5-HT2A und Xeplion an 5-HT2 Rezeptor, also wird ein größerer Teil gehemmt als beim LSD aktiviert. Da aber dieselben Rezeptoren am Wirkmechanismus beteiligt sind, kann man davon ausgehen dass es auch hier zu Nebenwirkungen kommen muss, die nicht über das Gehirn alleine vermittelt werden, sondern eben auch durch die Wirkung am peripheren Nervensystem. Ob es da noch weitere wesentliche Affinitäten an andere Rezeptoren gibt, kann natürlich niemand sagen, nicht zuletzt weil die Neuroleptika häufig in ihrem Wirkmechanismus nur teilweise verstanden werden.
    Ansonsten kann man noch hinzufügen, dass eine intravenöse verglichen mit einer oralen Gabe den Anteil an Wirkstoff, der im Gehirn seine Wirkung entfaltet gegenüber dem peripheren Nervensystem erhöht.

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