Eine Zeichnung von 2004 mit zwei Leuten auf einer Schaukel, der eine vorne, der eine hinten beim Schaukeln

Das mit den Medikamenten

Heute nehme ich die Medikamente freiwillig. Bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hatte ich 2013 versucht, klarzustellen, dass ich nicht behandelt werden wollte. 2010 kam ich aus knapp sieben Jahren Compliance dazu, dass „mein Arzt und ich“ versucht haben, die Medikamente auszuschleichen. Dabei, dass ich dann den Tod durch Verhungern oder Erfrieren in Kauf genommen hätte, um die Welt nach meinen Ideen zu verbessern, spielten Drogen übrigens keine direkte Rolle. Das war zu der Zeit lange vorbei.

Schreiben ans Gericht versah ich 2010 im Kampf gegen eine Betreuung mit einer „relativen Datumsangabe“, ich bezog mich also nicht auf die Geburt Christi, sondern schrieb z.B.

Hamburg, 18. November, 22 Jahre nach Unterzeichnung eines Gesetzes durch den U.S.-amerikanischen Präsidenten, das die Hinrichtung von Drogenhändlern nach richterlicher Anordnung legalisiert.

Die Daten hatte ich von kalenderblatt.de. Außerdem grüßte ich das Gericht nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“, sondern teils nur als „Geehrte“, ohne dies als Beleidigung gemeint zu haben – wenn dann im Gegenteil, die Ehrung gar nicht mit der Möglichkeit, sie könnte nicht „sehr“ gelten, versehend.

Dass ich gegen die Betreuung widersprach, war nicht selbstverständlich. Die Betreuungsanregung durch einen Obermedizinalrat enthielt irgendwie so viele Fehler, dass ich geradezu dachte, dass das Gericht will, dass ich widerspreche. Das Verfahren verlief nach meinem damaligen Eindruck ziemlich unfair. Wenn es nochmal einen Juristen interessiert .. es sind leider an die 1000 Seiten geworden.

Die Zwangsbehandlung war furchtbar und in Essen sagte ich einmal zur Richterin: „Sie können mich mal .. ordentlich beurteilen.“ Im Anhörungsvermerk stand aber nur, ich hätte zu ihr gesagt: „Sie können mich mal.“ Ich kenne es, wenn es sich so anfühlt, dass sich erst die Verwandten von einem abwenden würden und dann die Gerichte kommen. Oder wenn sich der Arzt im Krankenhaus vom Gericht bescheinigen lassen will, dass man in seinem eigenen Verfahren Akteneinsicht nehmen darf – und einen dann aus Personalmangel doch nicht für die Akteneinsicht zum Gericht fahren lässt.

Für mich ganz persönlich sind die Medikamente heute ein Werkzeug. Ich nehme Stand April 2016 mehrere Tabletten am Tag, zusätzlich zu der Spritze, und tariere das so aus, dass es mir sehr oft sehr gut geht. Die Wut über die Behandlung, die mich aus der Psychose rausgeholt hat, hat sich nicht 1000‰ in Wohlgefallen gewandelt, aber auf jeden Fall weitgehend gelegt. Ich hätte mir damals gewünscht, dass man mich rehabilitiert und für die Zwangsbehandlung und Unterbringung entschädigt. Doch die Medikamente nehme ich heute wie gesagt willentlich, weil ich es so sehe, dass mich die Außerirdischen teils einfach unterhalten und fortgebildet haben mit ihren Stimmen und ich mich teils einfach geirrt habe beim auseinanderhalten von eigenen und fremden Gedanken.

Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass meine Äußerungen in Stern TV am 30. März bei jemandem Missempfindungen auslöst, der sich heute in meiner Situtation von damals befinden mag. Aber es wurde ja auch gesagt, dass nicht jeder, der Stimmen hört, schizophren ist. Da muss man wirklich differenzieren. Ich will nicht pauschal sagen, dass „der Klügere gibt nach“ die richtige Reaktion auf Ärzte ist, die einem einen Wahn nehmen wollen. Und mit diesem Absatz bin ich nicht wirklich zufrieden. Aber ich muss hier mal den Bürgersteig hochklappen. Fragt mich bloß nicht, was ich mit diesem Text ausdrücken wollte. Ich vermute, ich will, dass mich jeder mag, was nach vielzitierter Meinung aber ja nicht möglich ist.

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